Frauen wissen sich zu wehren

Alle zehn Vorstellungen des neuesten Stücks der Theatergruppe Großeibstadt „Der Ehestreik“ sind jetzt schon ausverkauft – das gab es noch nie, war von Fredy Breunig, hier nicht als Kabarettist, sondern als einer der Hauptdarsteller aktiv, zu hören. Der Dreiakter von Julius Pohl wird mit „großer Besetzung“ gespielt. Nachdem die Theateraufführungen im vergangenen Jahr ausfallen mussten, konnten sich die Zuschauer nun wieder auf einen lustigen Abend freuen – sie wurden bei der Premiere am Samstag nicht enttäuscht.

Am Nachmittag hatten die Theaterfreunde, wie üblich, die Senioren aus
Großeibstadt und Umgebung zu einer Vorstellung eingeladen. Einen Aufzug
wird es leider erst im nächsten Jahr geben, so mussten etliche
Rollstuhlfahrer in den ersten Stock getragen werden. Am Abend begrüßte
Margit Zepter Zuschauer aus nah und fern, die der gute Ruf der
Theateraufführungen nach Großeibstadt gebracht hatte. „Wir kommen jedes
Jahr“, bestätigten Gäste aus Ballingshausen und Seubrigshausen. „Es ist
immer lustig, aber auch bodenständig und in Dialekt“, lobten die
Zuschauer.

Häusliche Idylle

Sie erlebten einen Geschlechterkrieg, bei dem es den Männern wichtig
war, nicht als „Pantoffelhelden“ zu enden, während die Frauen abends
nicht beim Strümpfestopfen versauern wollten. Mitten in die „gute Stube“
des Zweigenerationenhaushalts mit Schmied Bruno (Markus Schneidawind)
und seiner Frau Rosa (Birgit Weisensee) sowie seinen Eltern Bartl (Fredi
Breunig) und Anna (Angelika Memmel) wurden die Zuschauer mitgenommen.

Die häusliche Idylle wird gestört, als eine neue junge Bedienung die
Stimmung im Wirtshaus anheizt und die Männer mit zunehmender
Begeisterung die Abende dort verbringen. „Unanständige Lieder“ machen
die Runde. Besonders der Frau des Bürgermeisters passt das nicht
(Michaela Hanika), sie fürchtet nicht nur die Sünden, sondern auch den
Verlust der ehelichen Treue. Deshalb sammelt sie Unterschriften, damit
der Wirt das „Flitscherl“ entlässt, aber der denkt gar nicht daran.

Raus aus den Schlafzimmern

„Das ist Emanzipation – und wenn´s mich zerreißt”, sagt „die Wurzel” (Margit Zepter) und steckt sich die Pfeife
ihres Mannes an.
Fotos: Regina Vossenkaul

Die Frauen greifen gemeinsam zu ihrem „einzigen Kampfmittel“ und
sperren die Ehemänner aus den Schlafzimmern aus. Die Männer wollen
keinen Millimeter nachgeben, da macht ein böses Gerücht die Runde: Die
neue Kellnerin habe die Nacht mit dem Ehemann der „Wurzel“ (Margit
Zepter) verbracht. Die Männer verlieren schlagartig ihre Illusionen und
besinnen sich auf ihre eigenen Frauen. Das Ende birgt eine Überraschung.
Die wird aber nicht verraten.

In weiteren Rollen waren als Bäuerinnen zu sehen Ella Breunig, ein
Neuzugang aus Großeibstadt, Anna Schmitt und Cilli Grümmer. Den Pfarrer,
der die „ehelichen Pflichten“ anmahnte, spielte Volker Starsetzki, zum
„Männerrat“ gehörten Markus Werb, Kurt Knobling, Thomas Weisensee und
Jürgen Grüb. Als Souffleuse war wieder Martina Rost im Einsatz, für die
Maske war Silvia Buchgert-Wüscher zuständig. Die Bühnentechnik samt
neuer Beleuchtung hatten Kurt Knobling, Johannes Neugebauer und Torsten
Kutzner im Griff.

Mundarttheater

„Man kann sich richtig in die Figuren hineinversetzen“, „das
Bühnenbild ist immer sehr passend und liebevoll dekoriert“ und
„mitreißendes Mundarttheater von erfahrenen Darstellern“ waren
Kommentare, die am Ende der Premiere geäußert wurden. Mit viel Applaus
bedankten sich die Zuschauer für den amüsanten Abend, an dem man bei
aller Dramatik trotzdem herzlich lachen konnte.

Text und Fotos Regina Vossenkaul, MainPost 29.10.2019

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